Arbeitszahl, COP und SCOP einfach erklärt
COP, SCOP, Arbeitszahl und JAZ werden oft verwechselt. Entscheidend ist, welche Systemgrenze gemessen wird und was im Stromverbrauch wirklich enthalten ist.
Die Arbeitszahl ist eine der wichtigsten Kennzahlen für Wärmepumpen. Gleichzeitig wird sie erstaunlich oft missverstanden. Das liegt nicht daran, dass die Formel kompliziert wäre. Das Problem ist eher: Nicht jeder meint dasselbe, wenn er "Effizienz" sagt. Willkommen im Kennzahlen-Buffet: Es sieht alles ähnlich aus, aber auf manchen Tellern liegt deutlich mehr drauf.
Grundsätzlich gilt: Eine Arbeitszahl beschreibt, wie viel Wärme aus einer bestimmten Menge Strom entsteht. Eine Arbeitszahl von 4 bedeutet: Aus 1 kWh Strom werden 4 kWh Wärme. Klingt einfach. Spannend wird es bei der Frage, welche Wärme und welcher Strom genau gezählt werden.
COP: Laborwert der reinen Wärmepumpe
Der Coefficent of Performance (COP) ist die Leistungszahl der Wärmepumpe unter festgelegten Prüfbedingungen. Er beschreibt einen einzelnen Betriebspunkt, zum Beispiel A7/W35. Dabei wird die Wärmepumpe unter Laborbedingungen gemessen.
Wichtig ist: Der COP ist kein Jahreswert und keine echte Betriebsbilanz deines Hauses. Er bezieht sich typischerweise auf die Wärmepumpe selbst und nicht auf alle Nebenverbraucher, Verteilverluste, Nutzerverhalten oder den kompletten Anlagenbetrieb.
Ein COP ist deshalb gut, um Geräte unter genormten Bedingungen zu vergleichen. Er sagt aber nicht, welche Effizienz deine Anlage über ein ganzes Jahr in deinem Haus erreicht.
Was bedeutet A7/W35?
Angaben wie A7/W35 beschreiben den Prüfpunkt:
- A steht für Außenluft als Wärmequelle.
- Die Zahl hinter A beschreibt die Außentemperatur, also zum Beispiel 7 Grad.
- W steht für Wasser auf der Heizungsseite.
- Die Zahl hinter W beschreibt die Vorlauftemperatur, also zum Beispiel 35 Grad.
A7/W35 bedeutet also: 7 Grad Außenluft, 35 Grad Heizungswasser. A2/W35 ist kälter, A-7/W35 noch einmal deutlich anspruchsvoller. Je kälter die Quelle und je höher die Vorlauftemperatur, desto schwerer hat es die Wärmepumpe.
Für Sole- oder Grundwasser-Wärmepumpen werden andere Buchstaben verwendet, zum Beispiel B für Sole und W für Wasser als Wärmequelle. Das Prinzip bleibt gleich: Quelle rein, Heizwasser raus, Effizienz hängt am Temperaturhub.
SCOP: saisonaler Laborwert
Der SCOP ist ein saisonaler Kennwert. Er versucht, mehrere Betriebspunkte und ein typisches Klima zusammenzufassen. Damit ist er näher an einer Heizperiode als ein einzelner COP.
Trotzdem bleibt der SCOP ein genormter Vergleichswert. Er ist nützlich für Produktvergleiche und Effizienzklassen, aber er ersetzt keine gemessene Arbeitszahl deiner konkreten Anlage. Dein Haus, deine Heizkurve, dein Warmwasserverbrauch und deine Einstellungen kommen im echten Leben dazu. Die Norm kennt deinen Duschplan nicht.
Arbeitszahl und JAZ: echte Betriebswerte
Die Arbeitszahl beschreibt das Verhältnis von erzeugter Wärme zu eingesetztem Strom über einen Zeitraum. Das kann ein Tag, ein Monat, eine Heizperiode oder ein Jahr sein. Wird ein ganzes Jahr betrachtet, spricht man von Jahresarbeitszahl, kurz JAZ.
Die einfache Formel lautet:
Arbeitszahl = erzeugte Wärme / eingesetzter Strom
Eine Monatsarbeitszahl von 3,2 bedeutet zum Beispiel: In diesem Monat wurden aus 1 kWh Strom im Durchschnitt 3,2 kWh Wärme. Eine JAZ macht das gleiche über ein vollständiges Jahr.
Manchmal wird dabei nur der Strom der eigentlichen Wärmepumpe betrachtet. Pumpen, Elektronik, Heizstab oder andere Nebenverbraucher fehlen dann ganz oder teilweise. Das ist immer noch ein realer Betriebswert, aber keine vollständige Systembilanz.
Warum die Systemgrenze so wichtig ist
Die Arbeitszahl ist nur dann vergleichbar, wenn dieselbe Systemgrenze verwendet wird. Die entscheidende Frage lautet: Was zählt im Stromverbrauch mit, und welche Wärmemenge landet im Zähler?
Je nach Messung können einfließen oder fehlen:
- Verdichter der Wärmepumpe
- Elektronik und Regelung
- Kurbelgehäuseheizung
- interne oder externe Pumpen
- Heizstab
- Warmwasserbereitung
- Abtauverluste
- Speicher- und Verteilverluste
Wenn zwei Anlagen beide "JAZ 4" melden, kann das trotzdem Unterschiedliches bedeuten. Vielleicht wurde bei der einen nur die reine Wärmepumpe betrachtet, bei der anderen aber das komplette System. Das ist ungefähr so fair wie zwei Einkaufszettel zu vergleichen, wenn einer die Getränke vergessen hat.
Bosch/Buderus und die System-Arbeitszahl
Bei Bosch/Buderus ist die angezeigte Arbeitszahl besonders streng bilanziert. Nach unserem Verständnis fließen dort sehr viele elektrische Verbraucher ein: Elektronik, Kurbelgehäuseheizung, Pumpen und auch der Heizstab. Zusätzlich wird die Wärmemenge, die für das Abtauen benötigt wird, von der produzierten Wärme abgezogen.
Das nennen wir im Wärmepumpen-Check die System-Arbeitszahl. Sie ist ehrlicher, aber oft niedriger als Werte, die mit engeren Bilanzgrenzen berechnet werden.
Deshalb können Bosch- oder Buderus-Anlagen im Vergleich zu anderen Herstellern schlechter aussehen, obwohl sie real nicht schlechter arbeiten müssen. Der Unterschied liegt oft in der Messgrenze, nicht in der Physik.
Warum Vergleiche mit Gas und Öl oft unfair sind
Auch der Vergleich mit Gas- oder Ölheizungen ist nicht immer sauber. Bei Wärmepumpen wird über die Arbeitszahl häufig sehr genau diskutiert, welche elektrischen Nebenverbräuche enthalten sind. Bei Gas- oder Ölheizungen werden Elektronik, Pumpen, Regelung oder Hilfsstrom in Kostenvergleichen dagegen oft kaum sichtbar berücksichtigt.
Das heißt nicht, dass man Wärmepumpen schönrechnen sollte. Im Gegenteil: Man sollte bei allen Heizsystemen ehrlich bilanzieren. Sonst wirkt die Wärmepumpe schlechter, nur weil bei ihr genauer hingeschaut wird.
Typische reale Arbeitszahlwerte
Reale Werte hängen stark von Gebäude, Heizflächen, Warmwasseranteil, Klima und Einstellungen ab. Als grobe Orientierung gelten für gut laufende Anlagen häufig diese Bereiche:
- Luft-Wasser-Wärmepumpen: etwa 2,5 bis 3,8
- Sole-Wasser-Wärmepumpen mit Erdkollektor: etwa 3,5 bis 4,0
- Sole-Wasser-Wärmepumpen mit Erdsonde: etwa 4,0 bis 4,5
- Wasser-Wasser-Wärmepumpen mit Grundwasser: etwa 4,5 bis 5,0
Wenn Bosch/Buderus eine sehr breit bilanzierte System-Arbeitszahl ausweist, können die Werte im Vergleich konservativer aussehen. Eine System-Arbeitszahl von 3 kann je nach Anlage und Bilanzgrenze also etwas anderes bedeuten als eine enger gerechnete JAZ von 3.
Was du in deinen Daten prüfen kannst
Wichtig ist nicht nur die eine große Zahl. Schau dir an, wie sie entsteht:
- Wird der Heizstab separat ausgewiesen?
- Sind Warmwasser und Heizung getrennt erkennbar?
- Gibt es auffällige Monate mit niedriger Arbeitszahl?
- Fällt die Arbeitszahl bei mildem Wetter trotzdem stark ab?
- Werden Pumpen, Elektronik und Abtauverluste mitgezählt?
- Ist die Wärmemenge plausibel im Verhältnis zum Stromverbrauch?
Nathan bewertet deshalb nicht nur eine einzelne Arbeitszahl, sondern den Zusammenhang aus Wärme, Strom, Außentemperatur, Heizstab, Warmwasser und Betriebsverhalten. So wird aus einer missverständlichen Kennzahl eine brauchbare Aussage über deine Anlage.
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