Standbyverbrauch bei Wärmepumpen
Warum Wärmepumpen auch im Standby Strom verbrauchen, welche Werte typisch sind und warum dadurch Sommer-Arbeitszahlen schlecht aussehen können.
Eine Wärmepumpe verbraucht nicht nur dann Strom, wenn der Verdichter gerade Wärme erzeugt. Auch Regelung, Elektronik, Außeneinheit, Pumpen und Kurbelgehäuseheizung benötigen Strom. Dieser Systemverbrauch ist im Alltag meist unsichtbar, taucht in der Strombilanz aber trotzdem auf. Der Stromzähler ist da leider humorlos.
Gerade bei Bosch und Buderus Wärmepumpen kann dieser Verbrauch im Energiemonitoring auffallen, da diese Anlagen im Gegensatz zu manchen anderen Herstellern den Standbyverbrauch in ihr Energiemonitoring einbeziehen. Besonders im Sommer wirkt die Arbeitszahl dadurch manchmal schlechter, als der eigentliche Wärmepumpenbetrieb wäre.
Was ist Standbyverbrauch?
Standbyverbrauch ist der Strom, den die Anlage braucht, obwohl sie gerade nicht aktiv heizt, kühlt oder Warmwasser bereitet. Dazu gehören zum Beispiel Elektronik, Regelung, Kommunikation, Sensorik und Teile der Außen- und Inneneinheit.
Beim Bosch/Buderus-Energiemonitoring sieht man häufig einen konstanten Standbyverbrauch von etwa 25 W. Dieser Wert ist aber geglättet beziehungsweise gemittelt. Die reale Leistungsaufnahme kann niedriger oder höher sein, je nachdem, welche Komponenten gerade laufen.
Typische reale Werte bei Bosch und Buderus
Aus realen Beobachtungen bei Bosch CS5800i/CS6800i und Buderus WLW176i/WLW186i ergeben sich ungefähr diese Größenordnungen:
| Situation | Kleine Außeneinheit 4/5/7 | Große Außeneinheit 10/12 |
|---|---|---|
| normaler Standby | ca. 12 bis 16 W | ca. 14 bis 18 W |
| Energiemonitoring-Anzeige | 25 W | 25 W |
| mit Kurbelgehäuseheizung | ca. 70 bis 75 W | ca. 110 bis 125 W |
| Pumpen PC0/PC1 | je nach Drehzahl ca. 10 bis 70 W | je nach Drehzahl ca. 10 bis 70 W |
Beim normalen Standby verteilt sich der Verbrauch grob auf Innen- und Außeneinheit. Häufig braucht die Inneneinheit etwa die Hälfte und die Außeneinheit die andere Hälfte.
Warum die Kurbelgehäuseheizung wichtig ist
Die Kurbelgehäuseheizung, oft auch Kompressorheizung genannt, kann den Standbyverbrauch deutlich erhöhen. Sie hält den Kompressor in bestimmten Situationen auf Temperatur und soll verhindern, dass Kältemittel ungünstig in den Verdichter wandert.
Wenn sie aktiv ist, springt der Verbrauch nicht nur ein paar Watt nach oben, sondern deutlich. Bei kleinen Außeneinheiten von Bosch/Buderus können etwa 75 W auftreten, bei großen Außeneinheiten etwa 125 W.
Wie häufig die Kurbelgehäuseheizung anspringt, hängt unter anderem von Firmware und Betriebszuständen ab. Ab Firmwareständen `9.6.0/9.6.1` bei Bosch/Buderus wurde die Einschalthäufigkeit im Sommer reduziert. Dadurch kann auch der Standbyverbrauch etwas sinken.
Pumpenverbrauch: PC0 und PC1
Neben Elektronik und Kompressorheizung spielen auch die Pumpen eine Rolle. Bei Bosch/Buderus sind vor allem PC0 und PC1 relevant. Je nach Drehzahl können sie grob zwischen 10 und 70 W benötigen.
Das ist nicht automatisch ein Fehler. Pumpen müssen Wasser bewegen, sonst kommt Wärme nicht dahin, wo sie hin soll.
Besonderheit im Bosch/Buderus-Energiemonitoring
Bei Bosch/Buderus gibt es im Energiemonitoring keine eigene Kategorie für Systemverbrauch. Der Strom wird stattdessen einem Betriebsbereich zugeordnet.
Läuft gerade Warmwasserbereitung, wird der Systemverbrauch dem Stromverbrauch der Warmwasserbereitung zugeschlagen. Läuft Kühlung, landet er bei der Kühlung. Im Standby wird der Systemverbrauch aber dem Heizbetrieb zugeordnet, obwohl die Heizung in diesem Moment gar nicht aktiv läuft.
Das ist besonders in Übergangsmonaten relevant. Wenn der Heizbetrieb nur kurz läuft, aber der Standbyverbrauch vieler Tage in der Kategorie "Heizen" landet, kann die Arbeitszahl für den Heizbetrieb deutlich schlechter aussehen. Die Anlage hat dann nicht unbedingt schlecht geheizt. Es kann schlicht sein, dass die Energiemonitoring-Schublade etwas unglücklich beschriftet ist. Die Analyse von Nathan Labs weist den Systemverbrauch explizit aus und reduziert damit die Gefahr falscher Schlüsse.
Warum Sommer-Arbeitszahlen schlecht aussehen können
Im Sommer wird oft wenig Wärme erzeugt. Vielleicht läuft nur gelegentlich Warmwasser, vielleicht steht die Heizung komplett. Der Systemverbrauch läuft aber trotzdem weiter.
Das kann die Arbeitszahl verzerren. Ein Beispiel:
- Die Anlage erzeugt im Sommermonat nur 150 kWh Warmwasserwärme.
- Für die Warmwasserbereitung braucht sie zum Beispiel etwa 50 kWh Strom.
- Zusätzlich kommen bei 25 W Standby über 30 Tage etwa 18 kWh dazu: 25 W * 24 h * 30 Tage = 18 kWh.
- Ohne Standby liegt die Arbeitszahl bei 3,0: 150 kWh Wärme / 50 kWh Strom.
- Mit Standby liegt sie nur noch bei etwa 2,2: 150 kWh Wärme / 68 kWh Strom.
- Dann wirkt die Monatsarbeitszahl schlechter, obwohl der eigentliche Warmwasserlauf völlig normal sein kann.
Das bedeutet nicht, dass der Strom egal ist. Er kostet real Geld. Für die Bewertung der Wärmepumpeneffizienz muss man ihn aber richtig einordnen. Mehr zu Systemgrenzen erklärt der Artikel Arbeitszahl, COP und SCOP einfach erklärt.
Der Vergleich mit Gas- oder Ölheizungen ist hier oft etwas unfair. Dort schaut man meist nur auf den Gas- oder Ölverbrauch. Der Strom für Regelung, Pumpen, Brenner, Kommunikation oder Standby fällt zwar ebenfalls an, wird in Kosten- und Effizienzvergleichen aber häufig unter den Tisch gekehrt.
Geschätzte Werte im Energiemonitoring
Wichtig: Viele Wärmepumpen zeigen im Energiemonitoring keine echten gemessenen Stromwerte, sondern geschätzte oder berechnete Werte. Das gilt besonders für interne Aufteilungen zwischen Verdichter, elektr. Zuheizer, Pumpen, Standby oder Warmwasser.
Solche Werte sind nützlich, aber nicht perfekt. Wenn du sehr genau wissen willst, was deine Anlage wirklich zieht, brauchst du zusätzliche Messung oder sehr detaillierte Betriebsdaten. Für Trends reicht das Hersteller-Monitoring oft aus. Für harte Euro-Genauigkeit sollte man es nicht behandeln wie ein geeichtes Messgerät.
Was du in deinen Daten prüfen kannst
Hilfreich sind vor allem Muster über längere Zeit:
- Wie hoch ist die tatsächliche Arbeitszahl der Wärmepumpe ohne Systemverbrauch?
- Sinkt die Arbeitszahl im Sommer extrem stark?
- Gibt es ggf. ein Firmware-Update mit geändertem Standbyverhalten?
- Wirkt die Sommer-Arbeitszahl nur deshalb schlecht, weil kaum Wärme erzeugt wird?
Nathan kann solche Muster in Bosch- und Buderus-Daten sichtbar machen und den Systemverbrauch bei der Bewertung einordnen. So wird aus "meine Sommer-AZ ist schlecht" nicht sofort Panik, sondern erst einmal eine saubere Frage: Hat die Wärmepumpe ineffizient gearbeitet, oder zählt hier vor allem der Sockelverbrauch mit?
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